Brüder Grimm Lauf 2017

Brüder Grimm Lauf 2017

 

Nachdem ich mich in 2016 etwas mit dem Laufen zurück halten musste und der Krakau Marathon mit meinem DNF im Frühjahr nicht das ersehnte Highlight war, legte ich all meine Energie in den Brüder-Grimm-Lauf. Es ist einer dieser Läufe, die ich schon immer laufen wollte. Als gebürtiger Steinauer nach 82km in seinem Heimatort finishen, das war schon immer mein Traum. Vor meiner Zeit als Läufer konnte ich mir diese Distanz gar nicht vorstellen. Nun war es endlich soweit. Zusammen mit vier weiteren Läufern aus meinem Verein sowie alten Freunden und Bekannten machten wir uns auf den Weg nach Hanau um die erste von fünf Etappen zu meistern. Die Wetterprognosen waren nicht die Besten und somit kam zum ohnehin schon schwierigen Taktieren nun noch ein weiterer Faktor hinzu.

Wie sollte ich den Lauf angehen? Wie teile ich mir meine Kräfte ein? Mit was für einer Zeit möchte ich in Steinau ankommen. All das waren Fragen, die mich in den Tagen vor dem Lauf beschäftigten. Da die erste Etappe etwas flacher war und für das Wochenende 30°C prognostiziert waren, wollte ich den ersten Lauf etwas schneller angehen um hier einige Sekunden für meine geplante Zielzeit gut zumachen. Ich wollte in Steinau unter 7:00:00 ankommen, 06:45:00 wäre eine Traumleistung…

Tag 1

Kurz nach dem Start am Hanauer Marktplatz unter den Augen der Gebrüder Grimm, begann es bereits zu regnen und auch der erste Donner war zu hören. Ich ging die 15km für mich relativ zügig an, hatte aber eine Durchschnittspace von 4:45 geplant. Was soll ich sagen, es lief wesentlich besser als erwartet und die Beine waren frisch und ich konnte es rollen lassen. Auch der heftige Gewitterregen inkl starker Windböen, der so manche Läuferin und manchen Läufer auf der Autobahnbrücke einen Meter weiter nach rechts drückte, machte mir wenig aus und so kam ich gut aus Hanau und durch den anschließenden Wald durch. Mit einer Zielzeit von 1:08:09 (4:33 Pace) hatte ich meine Erwartungen mehr als übertroffen. Wären nun noch die Duschen, die traditionell beim BGL gemischt sind, nach dem Regen noch heiß gewesen, wäre es ein perfekter Start in dieses Rennen gewesen.

 

Tag 2

Da wir nicht so weit von Niederrodenbach entfernt wohnen, haben wir uns nicht für das gemeinsame Übernachten in der Turnhalle, sondern für das bequeme Bett zuhause entschieden. So ging es am nächsten Morgen fröhlich zurück nach Niederrodenbach, wo die zweite Etappe nach Neuenhaßlau starten sollte. Bei sonnigen 15°C um 9:30 ging es auf die abwechslungsreiche Strecke mit knapp 190 Höhenmetern. Hier ging ich das Ganze etwas gemütlicher an, sollte der Nachmittagslauf von Neuenhaßlau nach Gelnhausen doch sowohl was die Temperaturen als auch die Höhenmeter angeht, die größere Herausforderung des Tages sein. Die zweite Etappe mit ihren rund 14km lief ich mit einer 4.47 Pace und kam nach 01:04:03 ins Ziel. Danach sammelte sich ein Großteil der Läuferinnen und Läufer auf dem Schulhof und in der Turnhalle von Neuenhaßlau um sich bei Würstchen, Suppe, Kaffee & Kuchen  in der Mittagssonne zu regenerieren. Gerade diese Pausen nutzen viele Läufer, um die in den bereits vergangenen Stunden neu gewonnenen Kontakte und Gespräche zu vertiefen. Dieser Vibe ist in Worten schwer zu beschreiben, aber viele Teilnehmer berichten aufgrund dieser Situationen von der besonders familiären Atmosphäre dieses Laufs. Nachdem also neue Bekanntschaften geschlossen, das ein oder andere Nickerchen gehalten und alle Klamotten wieder getrocknet waren ging es zur 3 Etappe.

Um 16:30 ging es bei sommerlichen Temperaturen nochmal 16km nach Gelnhausen, wo auch am Abend die Läuferparty samt Tombola stattfinden sollte. Ich hatte diese Mal gegen Ende der Etappe leichte muskuläre Probleme, und musste zwischenzeitlich etwas Tempo rausnehmen. Nach dem Zieleinlauf im Stadion Gelnhausen war ich mit 4:58 aber immer noch unter einem 5:00er Schnitt, sodass ich nach 3/5 des Gesamtlaufs sehr zufrieden war. Nach dem Duschen standen für alle Läufer rund zehn Masseure zur Verfügung, die anders als bei Großveranstaltungen sich auch gerne mal 30 Minuten Zeit für jeden Läufer oder jede Läuferin genommen haben, sofern dies nötig war. So sehr die Massage auch schmerzte, so hilfreich war sie für die Vorbereitung auf die letzten zwei Etappen.

Gut massiert und hungrig ging es nun auf die Läuferparty. Im Foyer der Stadthalle war eine Mini-Messe aufgebaut und jeder Teilnehmer erhielt ein Los für die Tombola. Hier wurden neben Sachpreisen auch Gutscheine und Freistarts unter die Läufer gebracht. Das Buffet war reichlich bestückt und gut organisiert. Neben vier verschiedenen Pastagerichten an zwei Buffetstationen war auch ein großes Salatbuffet Teil der Verpflegung. Im Gegensatz zu den üblichen Spaghetti Bolognese oder Nudeln mit Tomatensoße ein echtes Highlight, wobei besonders erwähnt werden sollte, dass auch Veganer von diesem Buffet nicht ausgeschlossen wurden. Eine rundum gelungene Abendveranstaltung, die traditionell mit einem Gute Nacht Märchen, vorgetragen von Jochen Heringhaus, ihren Höhepunkt fand.

 

Tag 3

Am Morgen vor der 4. Etappe am Marktplatz in Gelnhausen war die Stimmung gedämpfter als noch am Vortag. Viele der Läuferinnen und Läufer hatten ähnliche Gedanken wie ich – warum tue ich mir das nur an. Diese Gedanken verschwanden dann aber recht schnell mit den ersten Metern, ebenso wie die Schmerzen in den Beinen. Vor uns lagen nun knapp 17km mit etwa 350 Höhenmetern und auch die Temperaturen waren mit 20°C schon wieder etwas zu hoch. Dennoch kam ich gut ins Rennen und fand einen ortskundigen Mitläufer, welcher nur diese Etappe lief. Wir kamen etwas ins Gespräch und bevor ich mich umsah, war der Berg erklommen und der Weg bergab ins Ziel vor Augen. Im Nachhinein betrachtet für mich die schönste Etappe, trotz der Distanz und der Höhenmeter, auch deshalb, weil im Wald an den relevanten Passagen eine beachtliche Zahl an Unterstützern mit Glocken, Rasseln und Getränken uns den Berg hinauf geschrien haben. In Wächtersbach angekommen ging es dann per Auto / Shuttle weiter nach Bad Orb, wo wir uns vor der letzten Etappe nochmals stärken und erholen konnten. Hier versorgte jeder seine Wehwehchen, trank nochmal eine Hühnerbrühe oder stürmte das Kaffee- und Kuchenbuffet.

Die letzte Etappe von Bad Orb nach Steinau an der Straße sollte nun der Höhepunkt dieses Laufes werden. Noch einmal quälen, noch einmal die letzten Kräfte mobilisieren. Da ich bisher wesentlich besser als erwartet durch das Rennen gekommen bin, sollte meinen Minimalziel unter 7 Stunden nichts mehr im Wege stehen, auch die 06:45:00 waren relativ sicher. So ging ich den Weg zum Steinauer Kumpen etwas gemütlicher an, was bei knapp 30°C ohne Schatten auf der Strecke auch die richtige Entscheidung war. Kurz nach dem Start erwartet die Läufer eine steile Bergpassage in ein Waldstück welches ich im Stechschritt nach oben ging. Bereits beim Bergablauf kurz vor Bad Soden-Salmünster merkte ich, dass es heute nachmittag noch mal sehr hart werden würde. Ein kurzer Blick auf die Uhr bei 5km zeigte mir dann auch, dass ich mit 4:45 viel zu schnell unterwegs war.

So nahm ich etwas Tempo raus und pendelte mich etwa bei einem 5:10er Schnitt ein. Dank der zahlreichen freiwilligen Helfer und Anwohner an der Strecke wurden wir in Salmünster reichlich mit Wasser und Schwämmen versorgt. Auf dem Weg zum Steinauer Kinzigstausee standen dann zu meiner Freude auch noch bekannte Läufer vom Lauftreff Bad Soden-Salmünster, teils sogar mit ausgeschiedenen Läufern, die uns mit Getränken und Anfeuerungsrufen spontan versorgten. Eine tolle Geste, die man so nicht in jeder Sportart findet. Als ich Ahl erreichte und meiner alten Hausstrecke immer näher kam, waren alle Zweifel verschwunden. Ich werde den Brüder Grimm Lauf finishen! An der Staumauer angekommen zog mich der Schloßturm wie ein Magnet zum Ziel. Hier stand zum Glück nochmal die Freiwillige Feuerwehr Bellings mit einer mobilen Dusche zur Abkühlung, ehe wir in einer Gruppe aus sechs Läufern uns gegenseitig ins Ziel zogen. Der letzte Kilometer war dann Gänsehaut pur. Als Kind einer 11.000 Einwohnerstadt kennst Du nahezu jedes Gesicht an der Strecke. Eine Mischung aus Stolz, Freude und Erleichterung trägt einen quasi über die Ziellinie. Die letzten 5oom in der Brüder Grimm Straße werde ich nie vergessen. Meine Frau, Kinder, Eltern, Familie, Freunde und Bekannte, alle bildeten ein Spalier aus applaudierenden Menschen den Berg hinauf zum Kumpen. Hier wurden die allerletzten Kräfte mobilisiert und der Zieleinlauf ist phänomenal. Mit 06:31:58 bin um vieles besser ins Ziel gekommen als ich mir es je erträumt hätte. Das obligatorische Bad im Märchenbrunnen durfte danach natürlich nicht fehlen.

Von allen Läufen war der Brüder Grimm Lauf mein bisheriges Highlight. Die Gemeinschaft, die Stimmung unter den Teilnehmern, die Organisation, die vielen neuen Bekanntschaften, die Emotionen und natürlich die Herausforderung sind eine nahezu perfekte Kombination. Es gibt nicht viele Läufe, die ich öfters laufen würde, aber der Brüder Grimm Lauf gehört definitiv dazu.

Der Lauf

Der Brüder-Grimm Lauf ist ein 5 Etappen-Rennen über knapp 82km von Hanau nach Steinau an der Straße. Einzeletappen sind möglich.

  1. Etappe: „Rotkäppchen“ von Hanau nach Niederrodenbach (Freitag abends)
  2. Etappe: „Dornröschen“ von Niederrodenbach nach Neuenhaßlau (Samstag morgens)
  3. Etappe: „Schneewittchen“ von Neuenhaßlau nach Gelnhausen (Samstag nachmittags)
  4. Etappe: „Frau Holle“ von Gelnhausen nach Wächtersbach (Sonntag morgens)
  5. Etappe: „Hänsel und Gretel“ von Bad Orb nach Steinau an der Straße (Sonntag nachmittags)

Startgeld:

75€

Mit dem Startgeld ist die Organisation des kompletten Laufs abgedeckt. Neben dem Finishershirt und einem Startbeutel wird den Läuferinnen und Läufern einiges geboten. So ist mit diesem Organisationsbeitrag ebenfalls die Übernachtungen in Turnhallen, intensive und professionelle Massagen, der Shuttleservice zwischen den Läufen, die erstklassige Pastaparty inkl. Tombola, der Gepäcktransport und die Streckenverpflegung abgedeckt.

Zwischen den Läufen bieten die mitorganisierenden Laufvereine Kaffee und Kuchen sowie Suppe und Getränke zu fairen Preisen an.

Medaille & Urkunde:

Die ersten sechs Sieger jeder Altersklasse erhalten eine Medaille. Urkunden könne über die Homepage des Zeitmesssystems ausgedruckt werden.

Finishershirt

Jeder Teilnehmer, der alle fünf Etappen meistert, erhält ein Finishershirt. Dieses ist im Startgeld enthalten.

Posted on: 10. Oktober 2017MarioHenning

Ein Gedanke zu „Brüder Grimm Lauf 2017

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.